Dienstag, 22. November 2011

Toleranz


Mein Sohn glaubt nicht an Gott und hat gemerkt, dass er diverse Mitschüler wunderbar auf die Palme bringen kann, wenn er kundtut, Gott existiere nicht oder auf dem Schulhof demonstrativ den Stinkefinger in den Himmel streckt und auf diese Weise zeigt, dass er keine Angst vor anderer Leute Götter hat. Mein Sohn ist der Anti-Christ.;)

Das ist natürlich nur bedingt lustig. Solche Provokationen enden meist in einer Rauferei und eigentlich versuche ich meinen Kindern Toleranz vor Andersglaubenden beizubringen. Es ist zwar erfreulich, dass mein Sohn keine Angst vor einem allgegenwärtigen Überwesen und seinem Fegefeuer hat, aber andere als Idioten zu beschimpfen, weil für sie ein Gott existiert, geht gar nicht.

Irgendwie ist er zu der Meinung gekommen, dass nur dumme Menschen an Gott glauben würden. Kluge Menschen würden an die Wissenschaft glauben. Das ist natürlich Quatsch. Einstein zum Beispiel war überzeugt davon, dass Gott nicht würfelt, und Einstein war nun wirklich nicht dumm. Ob Einstein an das Fegefeuer geglaubt hat, kann ich nicht sagen. Jedenfalls gibt es eine Menge kluger Köpfe, die keinen Widerspruch zwischen Glaube und Wissenschaft sehen.

Vielleicht gibt es diesen Widerspruch zwischen Kreationismus und Wissenschaft oder der katholischen Kirche und der Wissenschaft, aber das hat ja nur bedingt etwas mit dem Glauben der Menschen zu tun. Die meisten Menschen haben ihren ganz persönlichen Glauben. Ich kann mir jedenfalls nicht vorstellen, dass die Mehrheit der Katholiken hierzulande die Meinung des Vatikans in Sachen Homosexualität, Verhütung und Abtreibung vertreten. Man kann sich natürlich fragen, warum sie dann nicht den Verein wechseln oder ihnen vorwerfen, dass sie allein durch ihre Mitgliedschaft solche Auffassungen unterstützen, aber das ist eine andere Geschichte.

Meinem Sohn konnte ich (hoffentlich) klar machen, dass man nicht automatisch dumm ist, wenn man an einen oder mehrere Götter glaubt. So ein fester Glaube hat eine Menge positver Aspekte. Viele Menschen finden Trost und schöpfen Kraft aus ihrem Glauben. Für viele ist er Quelle ihrer Inspiration. Ich persönlich empfinde es ebenfalls als Bereicherung, mich mit Menschen, die an Götter, Engel oder Einhörner glauben, auszutauschen. Hauptsache, sie gestehen anderen ihren Glauben zu. Schließlich ist die Glaubensfreiheit ein Menschenrecht und nicht zuletzt in unserem Grundgesetz verankert.

Respekt ist unsere Aufgabe!:)