Mittwoch, 14. Dezember 2011

Das liebe Jobcenter

Ich habe bisher nur gute Erfahrungen mit dem Jobcenter gemacht. Das Personal war immer freundlich, meine Anliegen wurden umgehend bearbeitet und man ließ mich in Ruhe mit irgendwelchen innovativen Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen. Gut, mit einem zusätzlichen Einkommen auf Honorarbasis und einer Teilzeit-Anstellung in baldiger Bälde, bin ich vielleicht auch nicht direkt im Fokus der Statistik-Schminkspiele unserer Ämter.

Wie es gehen kann, wenn man nicht alles tut, um aus der Arbeitslosenstatistik zu verschwinden - mir kann keiner erzählen, dass Ein-Euro-Jobs geschaffen wurden, um Menschen wieder in den "ersten Arbeitsmarkt" zu integrieren - sehe ich jetzt an meinem Bruder. Seit einigen Jahren ist er arbeitslos und ist wohl das, was man als schwer vermittelbar bezeichnet. Maßnahmen, wie die erwähnten Ein-Euro-Jobs, entzieht er sich in der Regel durch Arztbesuche.

Vor einigen Wochen entschied man sich offensichtlich, meinen Bruder etwas intensiver zu betreuen. Man lud ihn zu einem Termin im Jobcenter ein. Am Tag des Termins bekam er einen Anruf vom Jobcenter, in dem man ihm mitteilte, dass die Kollegin bei der er erscheinen sollte krank sei und das Treffen ausfiele. Eine Woche später hatte mein Bruder ein Schreiben im Briefkasten, in welchem stand, dass seine Leistungen gekürzt würden, da er nicht zu besagtem Termin erschienen sei.

Nach einem Anruf beim Jobcenter wurde die Kürzung wieder zurückgenommen, aber damit war das Spiel noch nicht am Ende. Kurz darauf traf ein Brief ein, in dem stand, dass meinem Bruder seit knapp vier Jahren 30 Euro zuviel ALG II im Monat gewährt wurden und er den Betrag zurückerstatten müsse. Das fiel dem Jobcenter seltsamerweise erst jetzt auf, obwohl die Leistungen jährlich geprüft wurden.

Mein Bruder versuchte auch hier jemanden telefonisch zu erreichen. Die Telefonnummer entpuppte sich allerdings als Fax-Nummer. Bei seiner "Betreuerin" erfuhr er, dass er Widerspruch einreichen könne, was er jetzt auch tun wird, per Einwurf-Einschreiben versteht sich. Nebenbei erfuhr er, dass er einen Tag zuvor einen Termin gehabt haben soll, zu dem er nicht erschienen sei. Ja, nee, ist klar.

Es wird höchste Zeit, dass er eine Vertrauensperson hinzu zieht oder am besten gleich einen Anwalt. Es ist unfassbar, mit welchem Machtmissbrauch hier anscheinend eigene Interessen durchgesetzt werden sollen. Einige Jobcenter-Mitarbeiter scheinen damit überfordert zu sein, Arbeitswillige, von denen es zweifelsohne mehr als genügende gibt, in Arbeit zu bringen. Stattdessen wird auf andere Weise versucht Ergebnisse zu erzielen. Da wird man schnell mal zum Fascho, vielleicht auch, um nicht selbst demnächst auf der anderen Seite des Schreibtisches zu sitzen.